Leinenaggressionstraining – “Zeigen und Benennen”

Jeder, der einen leinenaggressiven, impulsiven Hund hat, kennt die Situation:

Man nähert sich einem Auslöser, der Mensch sieht diesen oft früher als der Hund und der Mensch wird mit jedem Schritt nervöser / unsicherer und “wartet” regelrecht darauf bis der Hund reagiert bzw. der Mensch hofft, dass der Hund den Auslöser nicht sieht und somit ruhig bleibt und nicht in die Leine springt.

Wenn aber der Hund den Auslöser dann doch wahr nimmt, ist er oft schon zu nahe und dann reagiert der eigene Hund meist blitzschnell und der Mensch ist, obwohl er darauf gewartet hatte, völlig überfordert und es geht nur noch darum, den tobenden Hund festzuhalten.

Was tun ?

Ich möchte hier speziell auf das “Zeigen und Benennen” eingehen, um aus den ”Überraschungs-Situationen” für Mensch und Hund ein ruhiges Annähern aufzubauen.

Unter “Zeigen und Benennen” versteht man, dass man die Aufmerksamkeit seines Hundes bewusst auf einen Auslöser lenkt und ihm einen Namen gibt und in Zukunft ankündigt.

Man beginnt im ersten Schritt, indem man die Orientierung zum Reiz hin markert und belohnt man.

-> Hund orientiert sich zum Reiz, Marker + Belohnung

Die Belohnung wird so gegeben, dass sich der Hund umorientieren muss zu seinem Menschen.

Im zweiten Schritt gibt man den Reizen einen Namen.

-> Hund orientiert sich zum Reiz, Mensch benennt ihn (z. B. “Hund”), Marker + Belohnung

Die Belohnung wird wieder so gegeben, dass sich der Hund zum Mensch umorientieren muss.

Danach sollte der Hund in ein Alternativverhalten geführt werden, wie z. B. einen Bogen laufen, Distanz vergrößern, etc. . Optimal ist es, wenn das Alternativverhalten auch zugleich ein funktionaler Verstärker ist.

Was ein funktionaler Verstärker ist, ist sehr individuell. Sie sollten sich hierzu sehr gut mit den Bedürfnissen Ihres Hundes auseinander setzen. Lesen Sie auch: Belohnungen in der Hundeerziehung

Wir müssen dem Hund einen Handlungsrahmen vorgeben und mit ihm ein Alternativverhalten trainieren. Es bietet sich hier sehr gut der Hand- bzw. Fingertouch an.

Wichtig ist, dass man das “Zeigen und Benennen” nicht erst macht, wenn der Auslöser schon so nahe ist, dass der eigene Hund hoch erregt ist. Sondern man beginnt damit schon auf großer Distanz. Wie groß diese Distanz sein muss, damit der eigene Hund noch ansprechbar ist, hängt vom einzelnen Hund ab.

Sollte Ihr Hund den Auslöser schon vor Ihnen gesehen haben, zeigen Sie ihn trotzdem an. Nur markern und belohnen Sie sofort, da er ihn ja schon wahrgenommen hat und sie ihn nicht mehr drauf aufmerksam machen müssen.

Am Anfang des Trainings sollte man es nicht übertreiben und nicht zu schnell zu nah an den Auslöser ran gehen.

Beispiel:

Wenn Sie wissen, dass Ihr Hund aus 50 m Entfernung reagiert, dann gehen Sie auch nicht näher ran. D.h. Sie sehen den Hund aus 70 m Entfernung und beginnen sofort mit “Zeigen und Benennen”. Sie verringern die Distanz nicht. Ihr Hund lernt, dass der Auslöser in 70 m Entfernung “ok” ist.

Im Folgenden gehen Sie wieder so vor, dass Sie aus 70m Entfernung “Zeigen und Benennen”, verringern den Abstand auf 60m unter markern und belohnen, bevor Sie den Auslöser umgehen.

Wenn das gut klappt, verringern Sie auf 50m. Sie beginnen mit “Zeigen und Benennen” aber immer schon bei 70m und unter markern und belohnen gehen Sie auf 50m näher ran.

So machen Sie weiter bis auf 40, 30, 20,…. m. Achten Sie immer darauf in welcher Entfernung ihr Hund noch ansprechbar ist und somit noch lernen kann. Falls nötig, vergrößern Sie beim nächsten Mal den Abstand wieder.

FAZIT:

- Ihr Hund verknüpft durch das Markern und Belohnen den Auslöser generell positiv

- Ihr Hund lernt ein Alternativverhalten zu auszuführen

- Ihr Hund lernt, dass Sie ihm Sicherheit geben, damit er kein Aggressionsverhalten zeigen muss

Was tun, wenn der Hund nicht mehr reagiert?
Der Hund, der mehr ansprechbar ist, zeigt, dass er so sehr gestresst ist, dass er nicht mehr lernen kann.

In so einem Fall sollten Sie das Training auf größerer Distanz weiter festigen, bevor Sie wieder näher ran gehen.

Im Alltag ist es nicht immer möglich die notwendige Distanz zu wählen und es wird immer mal zu Situationen kommen, wo ein Auslöser überraschend auftaucht.

Bei Chico hilft in solchen Momenten eine “Clicker-Party”, d.h. viele schnelle Clicks hintereinander und/oder das Entspannungssignal und, wenn der Auslöser vorher in Sicht ist, aber zu nahe kommt, da keine Ausweichmöglichkeit besteht, etwas zum Kauen. Das Kauen wirkt beruhigend und Chico kann während dem Kauen den Hund anschauen und ruhig bleiben.

Ich wünsche viel Erfolg!

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