Rückblick 2010

Heute vor genau einem Jahr war ich ziemlich verzweifelt und mit den Nerven am Ende. Täglich unterwegs mit einem völlig verunsicherten braunem Hund, der sehr aufgeregt und angespannt durch die Gegend stakste. Immer auf 180 und wartend auf die „Gefahr“.

Als wir 2008 anfingen in einer Hundeschule zu trainieren reagierte Chico nur auf Hunde und Katzen. Dies hatte sich während der 2 Jahre Training über Druck und Einschüchterung aber immer mehr ausgeweitet auf sehr unterschiedliche Dinge und er wurde für mich unberechenbar. Die Rechnung sein Verhalten zu unterdrücken, wie mir damals empfohlen wurde, ging nicht auf, denn er wurde immer impulsiver.

Er reagierte explosiv mit nach vorne hüpfen und bellen bei den unterschiedlichsten Dingen. Ich hatte mir damals immer gedacht „Wären es doch nur Hunde und Katzen, das wäre für mich wenigstens vorhersehbar“, aber es war einfach unberechenbar. Alltägliche Dinge, denen wir immer wieder begegneten, warfen ihn auf einmal völlig aus der Bahn. Einmal war es die Straßenlaterne, dann eine Mülltonne. Ein anderes Mal eine Tüte oder ein Angriff auf ein Grashalm, der einen Schatten warf.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich Anfang 2010 völlig erschöpft am Straßenrand stand, nachdem Chico wie ein Irrer in der Leine hing wegen eines flatternden Ahorn-Blattes und ein Mann aus dem Haus gegenüber kam. Die Worte des Mannes: „Ich beobachte Sie so oft, wenn Sie hier vorbeigehen und der Hund folgt Ihnen so toll, aber manchmal hat er Aussetzer, oder ? Ist er denn gesund?“

Ich führte Tagebuch, aber ich konnte nicht herausfinden, wovon das abhängig war. Es war einfach zu unterschiedlich.

Ich habe ein Buch nach dem anderen verschlungen und unheimlich viel über Lernverhalten aufgesaugt, um endlich zu verstehen, was hinter diesem Verhalten steckte.

Nach 2 Jahren Hundeschulen-Odyssee und unzähligen Einzelstunden wusste ich kaum etwas über Lernverhalten, sondern war einfach völlig behaftet von Dominanzgehabe und Rangordnungsproblemen.

Aber nun war ich an einem Punkt angekommen, wo mir NIEMAND mehr erzählen konnte, dass mein Hund Ahorn-Blätter anpöbelt, weil er dominant sei!

Hundebegegnungen sind wir das erste viertel Jahr so gut es ging ausgewichen und haben erst mal unser tägliches „Gassi-Gebiet“ erweitert, denn Chico war in unbekanntem Gebiet sehr gestresst und nicht ansprechbar.  So sind wir Tag für Tag eine Straße weiter gelaufen und mit der Zeit einfach mit dem Auto irgendwo hingefahren und dort gelaufen. Ich weiß noch sehr gut, wie anstrengend das war, denn er war so aufgeregt, dass jede Kleinigkeit Grund war zum vor renne und bellen. Meine Gedanken damals „Oh je, ich kann doch nicht ganz Deutschland ablaufen?!“

Wir haben fleißig geübt, inzwischen auch mit Clicker und Chico wurde immer sicherer.

Über das Buch „So lernt mein Hund“ bin ich zu Sabine Winkler gekommen. Ich habe ihr im April einfach eine E-Mail gesendet und sie gefragt, ob Sie einen Tipp für mich hat bzgl. der Leinenaggression. Sie hat mir noch am gleichen Tag ein Skript gesendet, wo Schritt für Schritt erläutert war, wie sie dran arbeitet.

Ich war verdutzt, denn es war so ganz anders als das was ich bis dahin von Trainern gelernt hatte. Ich soll den Blick zum Hund bestätigen? …wo ich doch 2 Jahre lang eingehämmert bekam, dass man sofort jegliches Fixieren unterbrechen muss. Aber natürlich war ich super glücklich endlich etwas anderes zu lesen.  JA, ich hatte ein super Bauchgefühl und so haben wir direkt mit der Desensibilisierung angefangen. Ab diesem Tag war ich immer bewaffnet mit Clicker, Chico mit Geschirr und das Halti haben wir einfach zu Hause gelassen.

Durch mein gutes Bauchgefühl war ich viel sicherer und hatte auch keine Angst mehr, dass ich ihn nicht halten konnte. Das Halti hängt seitdem übrigens im Keller und kam nicht mehr zum Einsatz. War ich stolz und glücklich, ein kleiner Traum ging in Erfüllung: endlich das doofe Gurtband aus dem hübschen Gesicht!

Im Juni waren wir ein Wochenende bei Sabine. Meine Panik, dass ich ganz Deutschland ablaufen müsse, bestätigte sich nicht. Sabine war überrascht, denn den hektischen an der Leine zerrenden Hund, von dem ich per E-Mail berichtete, hatte ich nicht mitgebracht.  Wir haben sehr viele Hundebegegnungen geübt und viel gelernt.

Im Alltag klappten es auch immer besser, aber ein großes Problem waren die Hundebegegnungen, wo Chicos Blick versperrt wurde wie z. B. hinter oder zwischen parkenden Autos. Außerdem hatte ich auch noch keinen Plan was ich tun könnte, wenn er doch in der Leine hing. Also habe ich weiter gesucht und das Internet durchzustöbert.

Dann kam Esther…! Ich bin im August auf ihre Seite gekommen, da ich nach „Cumcane“-Seminaren suchte und ich schrieb sie an, ob ich mit Chico -als nicht einfachen Hund- ein Seminar besuchen könnte. Sie befürwortete und bot mir ein Kennenlern-Spaziergang an. Ich war aufgrund der vielen Trainer-Erfahrungen sehr skeptisch und habe sie gebeten, sie solle mir bitte nix über Rangordnung o. ä. erzählen. Mensch, war ich gebrandmarkt.

Nach der lieben Antwort von Esther bin ich mit super Bauchgefühl nach Hassloch gefahren und mit noch besserem Gefühl wieder nach Hause. Wir sind seitdem regelmäßig im Gruppentraining dabei.

In dem letzten viertel Jahr haben wir nochmal einen riesen großen Sprung nach vorne gemacht und wir haben gemeinsam jeden Tag richtig viel Spaß!

2010 – Unser Jahr

Ich danke Allen, die uns unterstützt haben und ich danke Chico!

Danke Braunbär, dass du dich nie hast einschüchtern lassen, nie aufgegeben hast und mich somit gezwungen hast nach einem anderen Weg zu suchen!

Ich freue mich riesig so einen tollen Hund an meiner Seite zu haben!

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One Response to “Rückblick 2010”

  1. Maria Says:

    Das ist SO schön geschrieben Nadine, jetzt hab ich Pipi in den Augen. *schnief*

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