01
Apr

Belohnungen in der Hundeerziehung

Belohnungen im Hundetraining einzusetzen ist heutzutage immer noch ein kontovers diskutiertes Thema unter Hundefreunden und Hundetrainern. Manche Menschen lehnen Belohnungen im Training und in ihrem Alltag vollkommen ab und sind der Auffassung, der Hund solle nicht nur hören, weil er ein Leckerli oder eine Spielzeugbelohnung dafür erhält.

Ja, weshalb soll ein Hund eigentlich gehorchen?

Warum sollte er auf Ihren Rückruf hin zu Ihnen kommen, wenn er doch gerade viel lieber nach Mäusen suchen würde? Etwa aus Dankbarkeit für ein warmes Zuhause und ein frisch zubereitetes Abendessen?!? Das wäre sicher wünschenswert für uns Menschen, aber doch eher unrealistisch, dass ein Hund dies aus diesem Grund leisten wird.

Grundvoraussetzung, dass ein Hund ein Signal überhaupt schnell und zuverlässig ausführt, ist, dass er das Signal wirklich verstanden und gelernt hat. Es gibt zwei Gründe, warum der Hund ein gelerntes Signal befolgt:

Entweder,  weil er weiß, dass er dadurch Strafe vermeiden kann oder  weil er weiß, dass die Ausführung eine angenehme Konsequenz nach sich zieht.

Hundetraining, das darauf basiert, dass der Hund Druck und Strafe vermeidet, fördert nicht gerade eine vertrauensvolle und freundschaftlic he Beziehung. Sehen wir uns deshalb das Thema „Belohnung“ einmal näher an.

Was ist denn eigentlich eine Belohnung?

Eine Belohnung ist etwas Angenehmes für den Hund. Etwas das im schmeckt, Spaß macht oder ihm gut tut. Auch wenn ein Hund ganz normales Hundeverhalten zeigt, kann das eine Belohnung sein, wie zum Beispiel über eine Wiese rennen zu dürfen, sich zu wälzen oder an der Bezugsperson hochzuspringen, um etwas Aufmerksamkeit zu erheischen.

Wer Belohnungen im Training einsetzt muss folgendes wissen:

Belohnungen verstärken erst dann tatsächlich ein Verhalten, wenn sie zeitnah, d.h. etwa innerhalb von einer Sekunde, als angenehme Konsequenz auf ein Verhalten hin folgen – UND ein aktuelles Bedürfnis befriedigen!  Diese Regel möchte ich Ihnen anhand eines Beispiels näherbringen.

Sie möchten mit Ihrem Hund das „Sitz“ üben, während ein anderer, angeleinter Hund an Ihnen vorbei geht. Ihr Hund hört Ihr Wortsignal „Sitz“ und setzt sich daraufhin sofort brav hin. Dieses vorbildliche Verhalten möchten Sie natürlich belohnen, damit Ihr Hund sich auch zukünftig unverzüglich hinsetzt, während Ihnen ein fremder Hund begegnet. Als Belohnung geben Sie Ihrem Hund einen Hundekeks.

Was gut gemeint ist, war in diesem Fall völlig fehl am Platz, denn Ihr Hund spuckt Ihnen den Keks vor die Füße. Er hatte gar keinen Appetit. Vielleicht hätte er seinem vierbeinigen Freund viel lieber „Guten Tag“ gesagt…? Für Ihren Hund war der Keks in dieser Situation jedenfalls keine Belohnung. Das Leckerchen hat das artige „Sitz“ nicht verstärkt, denn sein Bedürfnis war offensichtlich ein anderes.

„Man spricht von Positiver Verstärkung, wenn auf ein Verhalten ein Ereignis in der Umwelt des Organismus folgt und die Auftretungswahrscheinlichkeit dieses Verhaltens daraufhin steigt. Was ein positiver Verstärker ist, kann nur an den Folgen, die er für die Auftretungswahrscheinlichkeit des Verhaltens hat, erkannt werden.“ (Auszug auf Wikipedia)

imageIn der Hundeerziehung bedeutet das, dass  Belohnungen, die ein Verhalten tatsächlich verstärken, sehr unterschiedlich sind.

Sie unterscheiden sich von Hund zu Hund und auch in jeder einzelnen Situation. Es ist nicht wichtig, was der Mensch als Verstärker einsetzen möchte, sondern was der individuelle Hund in einer bestimmten Situation als Belohnung empfindet.

Verstärker befriedigen aktuelle Bedürfnisse. Viele Menschen assoziieren mit dem Begriff „Belohnung“ im Hundetraining Futter und/oder Spielzeug – aber das ist bei weitem nicht alles! Die Umwelt hält eine Menge an Auslösern für angeborenes Verhalten und Bedürfnisbefriedigung bereit. Die Umwelt steht somit in Konkurrenz zu uns. Zu den Belohnungen aus der Umwelt gehören z. B. jagen, hetzen, schnüffeln, buddeln, rennen, planschen, mit Hundekumpels spielen…

Wer seinen Hund zur Zusammenarbeit motivieren will, sollte seine Bedürfnisse kennen und bemüht sein, diese auch zu befriedigen.

Es gibt Hunde, die für ein Leckerli fast alles tun würden. Aber auch für diese Hunde ist Futter nicht immer der passende Verstärker. Wird bei der Erziehung fast ausschließlich Futter zur Belohnung eingesetzt, erwartet der Hund eine schmackhafte Belohnung. Sobald der Hund ein anderes Bedürfnis als fressen hat, z.B. einen Hasen hetzen, wird er im Ernstfall eventuell abwägen, ob er auf den Rückruf reagiert und dafür ein Bröckchen Futter erhält oder ob er doch lieber den Hasen weiterhin über das Feld jagt. Es ist daher enorm wichtig, dass Sie situationsgerecht und variabel belohnen. Sie bleiben damit spannend für Ihren Hund und orientieren sich viel mehr daran, in welcher aktuellen Bedürfnissituation sich Ihr Hund gerade befindet. Hetzt Ihr Hund beispielsweise einem Hasen hinterher und Ihnen gelingt der Rückruf, wäre eine Belohnung angebracht, die dem vorherigen Bedürfnis entspricht, wie z.B. „Ersatz-Hetzspiel“ mit dem Lieblingsspielzeug.

Je eher eine Belohnung die aktuellen Bedürfnisse des Hundes befriedigt, desto hochwertiger ist sie und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund zuverlässig auf ein Signal reagieren wird, weil der Mensch sich in die Bedürfnisbefriedigung stärker einbringt. Je besser Sie die Bedürfnisse Ihres Schützlings kennen, desto leichter fällt Ihnen die Erziehung des Hundes.

Hier ein schönes Video zum Thema: Cooper auf Belohnungs-Tour

Wie gut kennen Sie Ihren Hund?

Beobachten Sie Ihren vierbeinigen Freund ganz genau und notieren Sie sich, was ihr Hund gerne und oft tut. Unabhängig davon, ob Sie es gut finden oder nicht, und ob Sie beteiligt sind. Ordnen Sie diese Dinge nach Priorität. Damit es Ihnen leichter fällt, könnten Sie eine Tabelle anlegen und alle Vorlieben in die Spalten „Futter“, „Spielen“, „Hund sein“ und „Sozialkontakt“ eintragen.Das Erstellen einer solchen Belohnungsliste bildet die Grundlage für die Bedürfnisbefriedigung Ihres Hundes, weil Sie nun seine Bedürfnisse kennen. Bedürfnisbefriedigung ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Erziehung und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Lesen Sie auch den Artikel der Expertin für „Top 20 – Belohnungslisten“, Frau Dr. Ute Blaschke-Berthold: Motivation, Bedürnisse und Verstärker

image

 

Comments ( 1 )

Leave A Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *