09
Jun

Dein Hund kontrolliert Dich… – oder was tut er da eigentlich?

Aus aktuellem Anlass möchte hierzu etwas schreiben… ich war die Tage zu einem Erstgespräch bei einem Hund, der jetzt ca. 1 Jahr bei der Familie lebt.

Im Fragebogen, den ich vorab bekomme, haben die Besitzer beschrieben, dass der Hund aufgeregt, fiepend in der Wohnung auf und ab läuft, wenn es klingelt. Kommt der Besuch rein, verfolgt der Hund die Person. Er verhalte sich so als würde er die Person kontrollieren wollen und sein Revier verteidigen.

Als ich gestern klingelte, hörte ich den Hund einmal kurz wuffen und als ich die Wohnung betrat hatte Frauchen ihn angeleint auf seinem Platz. Er saß da unsicher wirkend und schaute mich mit zurückgelegten Ohren und geduckt an. Bellte nicht.

Nach ein paar Minuten habe ich gesagt, sie sollen ihn bitte ableinen. Ich saß auf der Couch, er kam vorsichtig zu mir her, ich ignorierte ihn, er beschnüffelte mich und legte sich danach auf die Couch neben seine Besitzer. Da lag er dann entspannt während wir uns ausführlich unterhielten. Während unserem Gespräch stellte sich heraus, dass der Hund generell Menschen gegenüber eher zurückhaltend ist und eine Zeit braucht bis er auftaut. Generell meidet er den Kontakt zu Menschen.

Die vorherigen Trainer, die dort waren haben erklärt, dass der Hund Kontrolle über den Besuch ausübe und daher abgeschirmt werden müsse, auf keinen Fall aus dem Wohnzimmer kommen darf. Was dazu führte, dass der Hund sich immer mehr reinsteigerte und bellte. Das Abschirmen wurde trainiert über ein scharfes Zischen und körpersprachlichem Zurückdrängen ins Wohnzimmer mit anschließendem Marker und Leckerlie werfen.

Sehr auffällig war lt. Besitzer, dass nach ein paar mal Zurückdrängen der Hund – der bisher immer Leckerlies nahm – die Leckerlies liegen ließ, massiv Meideverhalten zeigte und nicht mal mehr essen konnte.

Die Besitzer haben das sehr gut erkannt und diesen Trainingsweg als nicht gut befunden.

Zum Glück, denn dieser Hund hätte sich mit Menschen durch diese Art von Training garantiert nicht besser angefreundet.

Warum ist das Thema Kontrolle so negativ belegt und sogar verrufen?

Nun schauen wir es uns mal an…

Ein Hund, aus dem Tierschutz, der Menschen gegenüber zurückhaltend bis ängstlich ist, wird nervös, wenn Besuch kommt und läuft dem Besuch hinterher…

Kontrolliert er ??? Wenn man es so nennen will, ja.

Die Frage ist, warum tut der Hund das?

– Weil er die Weltherrschaft übernehmen will ?

– Weil er denkt seine Menschen haben nix drauf?

– Weil er Mensch und Wohnung für sich beansprucht?

Oder einfach nur, weil er unsicher oder ängstlich ist und es ihm Sicherheit gibt, wenn er „den Feind“ im Blick hat ???

Wen schützt der Hund? … seine Besitzer, die Wohnung oder einfach nur sich selbst ???

Kontrolle gibt Sicherheit ! … häufig hört man, dass der Hund das nicht darf. Aber warum? Vor was haben die Menschen Angst ?

Dieser Hund war sofort entspannt, nachdem er mich kurz anschnüffelte und bemerkte, dass von mir keinerlei Gefahr ausgeht. Er konnte sich hinlegen und schlief ein.

Glaubt man echt, dass man einem Hund mit Zischen und Zurückdrängen, um den Blickkontakt zu versperren helfen kann Vertrauen zu bekommen und sicherer im Umgang mit Besuch zu werden???

Oder geht es hier um Macht, die der Mensch ausübt, weil er denkt, der Hund übernimmt die Kontrolle über Mensch und Wohnung?

Ich bringe sehr gerne das Beispiel mit Spinnen an… Man hält den Feind im Blick, man „kontrolliert“ wie die Spinne sich bewegt und wo sie hingeht. Ist sie auf einmal weg, bricht man ggf. in Panik aus und betritt das Zimmer nicht mehr.

Ich kann mich an eine Situation erinnern als ich klein war und mein Vater so tat als hätte er sie weg gemacht, ich wusste aber genau er hat sie nicht bekommen. Ich bekam Panik, weinte, war nervös und saß stundenlang vor dem Schrank und habe gewartet bis sie wieder in Sicht kam.

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Den Feind im Blick haben ist eine Form von Kontrolle und was bringt sie ? SICHERHEIT für den, der Angst hat.

Wichtig ist die Ursache der Angst zu trainieren und nicht das aus der Angst resultierende Verhalten zu hemmen!

So, was haben wir nun wie trainiert. In Kurzform:

– Ich klingelte.

– Marker und Leckerlies flogen im Flur von der Haustür weg. (Belohnungspunkt ist dabei wichtig)

– Besitzer machte mir auf und begrüßte mich.

– Erneut Marker und Leckerlies von der Haustür weg, was dazu führte, dass der Hund Abstand hielt von der Tür und mir und eine Belohnung erwartete.

– Er bekam dann die Freigabe mich zu beschnüffeln. Er schnüffelte ganz kurz und ging wieder zu seinem Menschen zurück in der Erwartung auf eine Belohnung.

– Der Hund wurde zu seinem Platz geführt (soll nun unter Signal gestellt werden als Hausaufgabe), dort legte er sich hin und ich setzte mich auf die Couch. Der Hund wurde belohnt für das Liegenbleiben als ich mich bewegte in der Wohnung.

– Als ich die Wohnung verließ ging er mit in den Flur und wurde belohnt für das Abstand halten.

Ich verabschiedete einen Hund, der mit großer Motiviation mitarbeitete.

So einfach kanns gehen. Ich bin gespannt auf nächste Mal…

Info:

Das Training mit Besuch ist sehr individuell. Jeder Hund reagiert anders. Ein Hund, der Aggressionsverhalten zeigt darf natürlich nicht einfach zu Besuch hingelassen werden. Dazu ist wichtig zu wissen, warum der Hund welches Verhalten zeigt und was seine Motivation ist.

Bitte beauftragen Sie hierfür einen Trainer, der wirklich fair und positiv arbeitet und keine Angst hat die Weltherrschaft an einen Hund zu verlieren!

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