08
Okt

Trainierst du schon oder reagierst du noch?

Immer wieder hört man, dass das Training über positive Verstärkung lange dauert…

Schauen wir es uns am Beispiel „Leinenaggression“ / „Leinenpöbler“ an.

Situation:

Hund springt bellend in die Leine, wenn er auf einen anderen Hund trifft.

Möglichkeit 1: „Rappeln“

Man wirft eine Rappeldose neben den Hund, damit er erschreckt.
→ der pöbelnde Hund erschreckt sich und stellt sein Bellen ein. Zumindest für eine kurze Zeit.
Der Mensch freut sich und sein Verhalten (das Werfen mit der Dose) wird verstärkt, da er damit das unerwünschte Verhalten unterbrechen konnte.

500 m weiter… nächste Begegnung: Rappeldose fliegt…Hund erschreckt und stellt Bellen ein, Mensch wird belohnt, …

und so weiter… Manche Menschen führen dann eben den Rest des Lebens Hund und Dose Gassi… was mit dem Argument unterstrichen wird, dass es reicht die Dose dabei zu haben und man sie ja gar nicht mehr werfen muss.

Das Beschriebene kann ebenso auf andere negative Methoden übertragen werden, wie z. B. das Zwicken in die Flanke, Sprühhalsbänder, Wasserspritzpistole, Leinenruck, etc.

Ist das Training ???

⇒ Das Üben bestimmter Fähigkeiten?
„das Training des Gedächtnisses / des Orientierungssinnes“

bildschirmfoto-2016-10-08-um-08-56-43

 

 

 

 

 

Was wird denn mit der Rappeldose trainiert? Die Fähigkeit des Menschen präzise zu werfen?

Für den Hund wird hier KEINE Fähigkeit trainiert.

dose-alleine

Im besten Falle noch sein Gedächtnis, dass er sich erinnert, wie doof es ist, wenn ein Hund entgegen kommt, was aber wieder neue Nebenwirkungen mitbringt und das Verhalten  langfristig gar nicht BESSER werden kann, wenn der Hund negative Dinge mit Artgenossen verknüpft.

Dass es sich bei diesen Methoden wenig bis gar nicht um Training handelt haben wir somit geklärt, aber was ist denn nun eigentlich mit der Dauer?

Geht es schnell ? Ja, kurzfristig. Nämlich genau in dem Moment, wo der Mensch die Dose wirft. Das dauert 1 Sekunde, man muss nicht nachdenken, man muss nur reagieren und werfen. Das ist einfach und geht schnell, in diesem Moment.

Ist es aber dann weg? Bellt der Hund nun kein anderen Hund mehr an? NEIN. Im Gegenteil, die Dose wird der ständige Begleiter… bis sie abgenutzt ist. Dann braucht man ein neuen Schreck-Reiz.

Also wie ist es jetzt mit dem Schnell? Hier geht gar nichts schnell, denn der Hund verändert sein Verhalten nicht, sondern wird lediglich mit Erschrecken unterbrochen und das immer, immer wieder.

Also, schnell ist das nicht,

ES IST NUR EINFACH !

… man kann kopf- und planlos Gassi gehen! Sobald der Hund bellt, wirft der Mensch die Dose, dessen Fähigkeit des präzisen Werfens ja auch schon mehrfach trainiert wurde.

11263074_821725251237296_8223170473590481335_n

Ich habe letzte Woche mit eine Leinenpöbler trainiert. Hätte ich mit einem Scheckreiz gearbeitet, hätte er vielleicht nach dem Erschrecken nicht mehr gebellt. Leicht verdientes Geld… Gelernt hätte der Hund dabei aber nichts!

Im Gegenteil er hätte gegebenfalls Angst vor mir bekommen, was übrigens eine häufig angewandte Strategie sein mag von vielen Trainern, denn dann ist der Hund gehemmt und zeigt in Anwesenheit des Trainers das unerwünschte Verhalten nicht mehr und das Training wird als erfolgreich verkauft.

Das ist ein Fake!

Mein Anspruch ist es, dass der Hund motiviert und freudig mitarbeitet! Dass er nachdenkt, mitdenkt und ein neues Verhalten lernt, das sich für ihn lohnt und er lernt, das erwünschte von sich aus zu zeigen.

60 Minuten Intensiv-Training, ohne Pause mit vielen unterschiedlichen Begegnungs-Situationen, in denen der Hund jedes Mal nachdenkt und freiwillig gutes Verhalten anbietet, das markiert und belohnt wird.

Ja, es war anstrengend für den Hund und auch für mich. Ich muss den Hund ganz genau beobachten und immer konzentriert bei der Sache sein.

Das war 60 Minuten Training! 

→ „das Üben bestimmter Fähigkeiten“

Hund übt die Fähigkeiten…

  • den fremden Hund zu beobachten, ohne auszuflippen
  • sich abzuwenden vom anderen Hund
  • seinen Mensch anzuschauen
  • Alternativ-Verhalten auszuführen
  • mit seinem Mensch zu kooperieren

Mensch übt die Fähigkeiten…

  • den eigenen Hund zu beobachten und zu lesen
  • erwünschtes Verhalten einzufangen, markieren und zu belohnen
  • mit dem eigenen Hund zu kooperieren
  • Alternativ-Verhalten mit dem Hund zu erarbeiten
  • ruhig zu bleiben

Interessant für die Gegner vom positiven Training:

Der Hund nimmt draussen aktuell KEIN Futter, da er zu aufgeregt ist. Und dennoch habe ich ihn über positive Verstärkung trainiert.

⇒ Luki’s Training – Leinenaggression

Was ist hier die positive Verstärkung?

Der Hund wird für gutes Verhalten (ruhig bleiben, abwenden, Mensch anschauen, etc.) belohnt. Damit das Timing passt, wird hier mit dem Clicker gearbeitet, der eine Belohnung ankündigt. Die Belohnung ist in dem Fall ein Mix aus verbalem Lob, Distanzvergrößerung zur Stress-Reduktion aber im Allgemeinen auch die Distanzverringerung, um den funktionalen Verstärker (Hund begrüßen dürfen) einzusetzen.

Mit den richtigen Verstärkern dauert Training über positive Verstärkung nicht lange!

Im Gegenteil: Es geht sehr schnell !

Und die allerbeste Nebenwirkung:

Es macht riesen Spaß!
Und es ist Beziehungspflege!

nadine_daggel-1737

 

Comments ( 0 )

    Leave A Comment

    Your email address will not be published. Required fields are marked *