10
Nov

„Äh – Äh das führt nicht zum Erfolg“ – der Negativ-Marker

Unerwünschtes Verhalten und die Tücken des positiven Hundetrainings bringen manch einen zur Verzweiflung.

Warum?

Weil man oft unbewusst Dinge verstärkt, die man gar nicht verstärken möchte!

Merke:

Wenn ein Hund ein Verhalten immer wieder zeigt, dann steckt ein Verstärker / Belohnung für den Hund dahinter, auch wenn wir das nicht absichtlich belohnt haben!

Ich nenne ein paar Beispiele…

Anspringen von Menschen:

Hund springt Besuch an, Hund bekommt Signal „Sitz“… Sitz ist positiv aufgebaut und kündigt eine Belohnung an.

Was lernt der Hund? Menschen anspringen lohnt sich, denn dann darf er sitzen und bekommt ein Lob oder sogar Leckerchen.

Bellen aus dem Fenster:

Hund bellt aus dem Fenster einen Mensch an, Hund wird angesprochen, die Umorientierung ist positiv aufgebaut und kündigt eine Belohnung an.

Was lernt der Hund? Aus dem Fenster bellen lohnt sich, denn dann wird er gerufen und bekommt ein Lob oder sogar ein Leckerchen.

Pöbeln an der Leine:

Hund pöbelt anderen Hund an, Hund wird mit einem „Hand-Touch“ umorientiert, dieser Touch ist positiv aufgebaut und kündigt eine Belohnung an.

Was lernt der Hund? Hunde anpöbeln lohnt sich, denn dann darf er touchen und bekommt sogar vielleicht noch ein Leckerchen.

Ziehen an der Leine:

Hund zieht an der Leine, Hund wird angesprochen, dass er zurückkommt, Hund kommt zurück und bekommt ein Leckerchen.

Was lernt der Hund? An der Leine ziehen lohnt sich, dann dann werde ich zurückgeholt und bekomme ein Leckerchen.

Da Hunde wahre Weltmeister im Verhaltensketten bilden sind, geht das Verstärken von unerwünschtem Verhalten teilweise ruck zuck.

Das ist Training gegen Windmühlen!

Einerseits versucht man das unerwünschte Verhalten weg-zu-trainieren und andererseits bringt man mit der „Methode“ dem Hund genau das unerwünschte auf anderem Wege wieder bei.

Eine große Tücke im positiven Hundetraining und meiner Meinung nach ein riesen Problem, was Kritiker bestätigt, dass positives Training nicht zum Erfolg führt !

Und ja, sie haben dann leider Recht !

Aber das liegt nicht am positiven Training, sondern an der Umsetzung!

Was aber tun, wenn der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt und man auf positive Strafe (etwas unangenehmes hinzufügen) verzichten möchte ?

Hier kommt der Negativ-Marker ins Spiel…

Der Negativ-Marker sagt dem Hund, dass sein Verhalten sich nicht lohnen wird und man entzieht ihm die Belohnung! Somit verhindert man, dass man das unerwünschte Verhalten verstärkt!

Meine eigenen Hunde lernen den Negativ-Marker „spielerisch“ vom Tricksen und Shapen. Ich lasse sie ausprobieren und mir Verhalten anbieten, möchte ich etwas nicht kommt „Äh-äh“ und die Belohnung bleibt aus.

Ich setze den Negativ-Marker „Äh-äh“ immer dann ein, wenn ich dem Hund eine Belohnung entziehen werde.

Ein aktuelles Beispiel:

Ich mache mich morgens im Bad fertig, klein Snoopy möchte aber meine Aufmerksamkeit, setzt sich in den Flur und bellt mich an. → „Äh-Äh“ → Tür zu. → Bellen hat sich nicht gelohnt! Er wollte damit Aufmerksamkeit, die ich ihm entzogen habe durch das Türe schließen.

Das morgendliche Aufmerksamkeits-Bellen ist inzwischen auf ein Minimum gesunken.

Zurück zu den Beispielen von oben…

Es gibt nicht nur einen Weg und ich würde es mit dem Negativ-Marker auch nicht übertreiben, sondern den Fokus immer darauf legen, dem Hund zu vermitteln, was ich von ihm möchte und das positiv verstärken!

Aber ich möchte auch ein Tool haben, um ein unerwünschtes Verhalten abzubrechen, ohne den Hund zu ängstigen und ohne unerwünschtes Verhalten zu verstärken.

Anspringen von Menschen:

  • Unerwünschtes Verhalten verhindern: Hund anleinen
  • Positiv-Marker für erwünschtes Verhalten, also solange alle 4 Pfoten auf dem Boden sind und er Hund noch nicht im Anspringmodus ist
  • Alternativ-Verhalten abrufen wie z. B. Sitz BEVOR der Hund im Anspringmodus ist
  • Negativ-Marker, wenn wir das alles verpasst haben und der Hund doch anspringt → „Äh-Äh“ – Hund ruhig und kommentarlos wegholen / Belohnung entziehen

Aus dem Fenster bellen:

  • Unerwünschtes Verhalten verhindern: Sichtschutz (was ggf. nicht praktikabel ist, weil man nicht im Dunkeln sitzen möchte)
  • Positiv-Marker für erwünschtes Verhalten, also ruhig aus dem Fenster schauen
  • Negativ-Marker, wenn der Hund doch aus dem Fenster bellt und ihn dort ruhig und kommentarlos wegholen und die Belohnung entziehen

Beim Bellen muss man beachten, dass es hochgradig selbst belohnend ist und daher ganz schnell verstärkt wird und oft auch durch ignorieren nicht abgestellt werden kann.

Pöbeln an der Leine:

  • Unerwünschtes Verhalten verhindern: frühzeitig reagieren, passenden Abstand wählen, etc.
  • Positiv-Marker für erwünschtes Verhalten, wie z. B. Mensch anschauen
  • Alternativ-Verhalten wie ein Handtouch abrufen BEVOR der Hund im Pöbel-Modus ist
  • Negativ-Marker, wenn wir das alles verpasst haben und der Hund pöbelt, um eine Belohnung zu bekommen → „Äh-äh“ und die Belohnung entziehen

Achtung: Man muss hier schauen, warum der Hund bellt und ob er ansprechbar ist. Bellt er aus Angst, würde ich nie mit einem Negativ-Marker arbeiten!

 Ziehen an der Leine:

  • Unerwünschtes Verhalten verhindern: am besten von Anfang an nicht durch die Gegend ziehen lassen
  • Positiv-Marker für erwünschtes Verhalten, wie die lockere Leine.
  • Leinen-Ende Signal und Umorientierung BEVOR der Hund die Leine strafft
  • Negativ-Marker kommt hier nach dem Leinen-Ende Signal → „Äh-Äh“ und Belohnung entziehen (es geht nicht weiter) und als negative Konsequenz „jetzt musst du leider wieder ganz zurück und wir fangen von vorne an.“

Grundsätzlich bitte beachten:

Der Negativ-Marker ist nicht das Mittel der Wahl, sondern kommt nur dann zum Einsatz, wenn positiv verstärken, managen, etc. nicht geht! 

Den Negativ-Marker nicht einsetzen, wenn der Hund in Angst-Situationen ist oder wenn er sich bereits in einer für ihn sehr unangenehmen Situation befindet. Ich würde NIEMALS einen Negativ-Marker setzen, wenn sich z. B. zwei Hunde beschnüffeln und dabei anspannen. Das würde die Situation nicht besser machen!

Ich setze den Negativ-Marker auch nur dann ein, wenn ich weiß, dass der Hund gut trainiert und ansprechbar, heißt im Planen, Denken, Handeln – Modus, ist !

Der Negativ-Marker ist ein sehr gutes Tool, um dem Hund die Information zu geben, dass sein Verhalten keinen Erfolg haben wird und über das Entziehen der Belohnung wird das unerwünschte Verhalten weniger, da wir es nicht verstärken!

Der Negativ-Marker ist ein Tool von Vielen, sollte nicht unüberlegt eingesetzt werden und eher als Notfall-Signal gesehen werden!

Er ist eine Ergänzung und kein Heilmittel! 

Man sollte den Fokus immer auf das verstärken von erwünschtem Verhalten legen! 

Bitte lasst euch von einem erfahrenen Trainer den Aufbau und Einsatz genau erklären und in der Praxis zeigen!

Der Negativ-Marker ist nicht böse! … richtig eingesetzt, ein super gutes Tool im positiven Hundetraining!

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