09
Jan

Vom Konditionieren und Beziehen…

Aus aktuellem Anlass…

Anlass I:

„Bei der jetzigen Einigung um eine Form der Hundeerziehung geht es vorwiegend um Konditionierung und Dressur. Genau davon habe ich mich entfernt und möchte da auch bei einer Prüfung wahrhaftig bleiben.“

Quelle: http://www.maike-maja-nowak.de/hundeerlaubnis

Anlass II:

„Ich bin der Meinung, dass mit ausschließlicher Konditionierung es nicht getan ist und halte körpersprachliche Einschränkung nicht für Gewalt.“

Quelle: frei erfunden 

Beide Aussagen beinhalten das Statement, dass diese Personen sich von Konditionierung distanzieren und diese nicht (immer) anwenden wollen.

AHA

und wie bitte soll das funktionieren, wenn man mit Lebewesen trainiert?

Beim Lernen wird immer konditioniert!

Konditionierung kann man nicht ausschalten!

Ich befürchte, dass vielen das Wissen über das Lernverhalten fehlt, sonst würde man nicht immer wieder über solche Aussagen stolpern.

Kleiner Exkurs dazu:

Unter Konditionierung versteht man in der Lernpsychologie Formen des Lernens von Reiz-Reiz-Assoziationen bzw. Reiz-Reaktions-Assoziationen (Stimulus-Response-Lernen) durch wiederholte Koppelung von Reizen.

Man unterscheidet zwei Grundtypen der Konditionierung:

  • Klassische Konditionierung, die ausgelöstes (= reflektorisches) Verhalten betrifft (der lernende Organismus hat keine Kontrolle über den Reiz und die von ihm ausgelöste Reaktion)
  • Operante Konditionierung, die ursprünglich spontanes Verhalten betrifft, das je nach der dem Verhalten folgenden Konsequenz zielgerichtet wird.

Beide Lernformen lassen sich in nahezu allen Tierarten nachweisen und ermöglichen somit fundamental wichtige Anpassungsleistungen von Organismen an die jeweilige Umwelt.

WICHTIG:

  • Klassische Konditionierung passiert automatisch, es handelt sich um Reflexe, die nicht bewusst gesteuert werden.
  • Operante Konditionierung hängt ab von den Konsequenzen, die auf ein Verhalten folgen. Die Häufigkeit von ursprünglich spontanem Verhalten durch seine angenehmen oder unangenehmen Konsequenzen nachhaltig verändert. In der Alltagssprache ist dies „Lernen durch Belohnung/Bestrafung“.

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Nehmen wir jetzt mal den Hundetrainer, der sich lächerlich macht über „dressierte“ Hunde und behauptet er arbeite nicht mit Konditionierung.

Fall-Beispiel I: Ein Hund zieht an der Leine.

Trainings-Weg A:

Der Hund bekommt für jeden Schritt, den er an lockerer Leine geht ein Click und eine passende Belohnung (die übrigens häufig das Weiterlaufen ist).

⇒ Hier folgt auf das erwünschte Verhalten (die lockere Leine) eine angenehme Konsequenz und verstärkt somit das Verhalten. Hund wurde konditioniert mit einer Belohnung.

Trainings-Weg B:

Der Hund wird an ganz kurzer Leine geführt und muss neben oder hinter seinem Besitzer laufen, läuft er nach vorne wird der Hund blockiert, indem der Mensch sich eindreht und den Hund körpersprachlich zurückdrängt.

⇒ Hier folgt auf das unerwünschte Verhalten (das Überholen des Menschen und Straffen der Leine) eine unangenehme Konsequenz und hemmt somit das Verhalten. Hund wurde konditioniert mit einer Bestrafung.

Trainings-Weg C:

Der Hund zieht an der Leine und bekommt in die Flanke gezwickt.

⇒ Hier folgt auf das unerwünschte Verhalten (Das Straffen der Leine) eine unangenehme Konsequenz und hemmt somit das Verhalten. Hund wurde konditioniert mit einer Bestrafung.

So und nun der Trainer, der ohne Konditionierung arbeiten will…

Trainings-Weg D:

Trainer bleibt zu Hause.

 

Und jetzt kommt garantiert jemand ums Eck kommt mit der Aussage:

„Wenn ich eine gute Beziehung habe und mein Hund mir vertraut, dann macht der alles, was ich sage, auch ohne Konditionierung.“

NEIN, ich muss Euch enttäuschen…

Es gibt keine Beziehung ohne Konditionierung.

Das ist Wissenschaft!!!

Und an dieser Wissenschaft ändert kein Hundetrainer der Welt etwas, egal, wie dieser heißt.

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In der heutigen Zeit muss man sich abheben. Vielleicht ist das der Grund, warum manche Hundetrainer Thesen aufstellen, die es gar nicht geben kann ?!

Klar, es ist beeindruckend, wenn ein Trainer behauptet die Wissenschaft einfach mal austricksen zu können und daher rein über Beziehung arbeite ?!

Logo, ein Hund, der etwas tut, weil wir so eine tolle Beziehung zueinander haben, zieht sehr viele an.

Wer will schon ein „dressiertes“ Wesen daheim haben?

Habt Ihr Euch schon mal gefragt wie Beziehungen entstehen und dass es auch hier ständig um Konsequenzen geht und somit wieder um Konditionierung?

Also, wenn ein Trainer so eine Aussage nutzt, um Marketing zu machen, dann kann ich das sogar noch nachvollziehen, weil viele Menschen keine „dressierten“ Hunde haben möchten.

Wenn aber ein Trainer die Aussage nutzt, weil er wirklich der Überzeugung ist, dass er nicht konditioniert, dann sollte er mal ganz schnell die Schulbank drücken und erst wieder zurückkommen, wenn er es wirklich verstanden hat.

UND denkt daran, auch wir Menschen sind konditioniert !

unbenannt

 

Nachdem ich jetzt nochmal darüber nachgedacht habe…

Kann es sein, dass die Trainer Konditionierung mit Belohnung verwechseln ?

Vielleicht meinen diese Trainer, die behaupten ohne Konditionierung zu arbeiten, dass sie ohne Belohnung arbeiten?

Okay

Aber wisst ihr was ?

Auch das geht nicht !

Denn eine Strafe zu vermeiden ist ebenso eine Belohnung… !

Viel Erfolg beim drüber nachdenken ! ⇒ Blog-Artikel: Ohne Belohnung – ist nicht!

 

 

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