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05
Sep

„Click“ für Nix? – warum frühes Belohnen so wichtig ist…

Artikel von Julia

Kosmo: reaktiv, unsicher, misstrauisch, geräuscheempfindlich, …

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Wenn andere Menschen mitbekommen, wie ich auf Kosmos Verhalten reagiere, kommt es häufig zu Irritationen. Irritiert sind die Leute davon, wofür ich Kosmo belohne… denn ich belohne ihn für ein Verhalten, bei dem ich dann gefragt werde: „…der macht doch gerade gar nix?“ …

Ja eben! weil er

Nix macht!

Für einige scheint es unverständlich, weshalb ich ruhiges Verhalten belohne.

Aber warum?
Was möchte ich von meinem Hund?

Raschelt es beim Waldspaziergang neben uns im Gebüsch, möchte ich garantiert nicht, dass er ins Gebüsch springt, dem Rascheln auf den Grund geht und jagt. Ich möchte, dass er ruhig mit mir auf dem Weg weiter geht. So lange er das tut, bekommt er von mir ein „Click“ plus Belohnung dafür!

Findet er einen entgegenkommenden Hund blöd, möchte nicht, dass er das laut bellend mitteilt, sondern den anderen trotzdem ruhig vorbeigehen lässt. Wenn er ruhig ist , gibt’s schon beim Annähern an den anderen Hund immer wieder ein paar „Clicks“, dafür, dass er Nix tut.

Nix tun

= Ruhig bleiben!

→ erwünschtes Verhalten!

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Ich weiß genau, das Kosmo unsere Nachbarn als Bedrohung ansieht, wenn sie ganz nah an unseren Zaun kommen. Da sie natürlich keine wirkliche Bedrohung sind, möchte ich auch nicht, dass Kosmo zum Zaun rennt und bellt. Schafft er es also Nix zu tun, bekommt er sein „Click“ plus Belohnung.

Nix tun

= Nachbarn ruhig beobachten statt bellend vertreiben!

Ja, ich belohne Kosmo fürs rumliegen, sitzen und mich anschauen, fürs schnuppern, abwenden und beobachten.

Und ja, in manchen Situationen auch nur fürs atmen und ansonsten „Nix tun“.

Weil es genau das ist, was ich von ihm in manchen Situationen möchte.

Und andererseits ist es das, was ihm in genau diesen Situationen sehr schwer fällt.

Weil ich weiß, er jagt die Nachbarskatze, wenn sie zwei Meter vor ihm sitzt, dann belohne ich ihn schon dafür, dass er sie am anderen Ende der Straße noch ruhig beobachten kann, ohne los zu sprinten.

Weil ich weiß, er hat Angst vor lauten Knallgeräuschen, belohne ich ihn schon für das Ertragen einer zuschlagenden Tür in der Ferne.

Weil ich weiß, er mag es nicht, von Fremden angefasst zu werden, belohne ich ihn schon dafür, dass er es aushält, dass eine fremde Person neben ihm steht.

Weil ich weiß, dass er frontale Hundebegegnungen auf engen Wegen nicht mag, belohne ich ihn bereits für ruhiges Verhalten in 10 Metern Entfernung.

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Ich könnte hier ewig weiter aufzählen… Im Zusammenleben mit seinem Hund findet man heraus, was ihm unangenehm ist und was ihn an seine Grenzen – und vor allem – darüber hinaus bringt. Wieso ihn also in blöde Situationen hineinlaufen lassen, ihn stressen und selbst frustriert sein?

Lieber lobe ich ihn auf dem Weg zu einem anderen Hund 10 mal bei jedem ruhigen Schritt, als 10 (ruhige, gute!) Schritte lang nichts zu tun und ihn dann bellend in der Leine hängen zu haben…nur weil ich ihm nicht rechtzeitig gezeigt habe, welches Verhalten ich gerne von ihm hätte?

Wir Menschen neigen leider dazu, gutes Verhalten einfach hinzunehmen. Vielleicht freuen wir uns still für uns, sind zufrieden, dass es klappt. Aber weil es ja eben „sowieso klappt“, wird es nie honoriert. Aber das eine mal, das blöd gelaufen ist, das stört uns total und bleibt noch lange im Gedächtnis. Und dazu kommt, dass das eine blöde Mal vielleicht gar nicht passiert wäre, hätte vorher mal jemand gesagt, wie toll man sich die ganze Zeit doch schon verhält.

Und gerade am Anfang, wenn der Hund neu bei uns eingezogen ist, er noch ein Welpe ist oder wir seine Vorgeschichte nicht kennen, wissen wir noch gar nicht, was er schon alles kennen gelernt hat. Wir wissen nicht, womit er umzugehen weiß und womit er vielleicht noch unsicher ist.

Vielleicht ist das das erste laute Flugzeug, das er erlebt… der erste viel größere, wuschelige Hund…der erste Luftballon…das erste rennende Kind…der erste Regenschirm…Bei all den Dingen, die für uns selbstverständlich sind, können wir am Anfang nicht wissen, ob der Hund bereits gelernt hat, damit umzugehen.

Wie zeige ich meinem Hund am besten, wie er mit einer Situation umgehen kann?

Indem ich das „richtige“ Verhalten verstärke. Und welches Verhalten ist das in ganz vielen Fällen?

Das so oft falsch interpretierte

Nix tun!

→ Ruhig sein,
→ liegen bleiben,
→ etwas nicht beachten,
→ Situationen aushalten,
→ an lockerer Leine gehen,

usw…

… schaut man mal genau hin, leistet ein Hund beim „Nix tun“ eine ganze Menge!

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25
Aug

Welpen und ihre Home-Zone – warum sie nicht Gassi gehen wollen…

Der Welpe läuft nicht richtig Gassi.

Endlich ist er da und der Mensch bereit für spannende Spaziergänge, aber der Welpe will nicht…

Vorallem von zu Hause weg fällt es ihm schwer. Er bleibt stehen, setzt sich hin und möchte einfach nicht laufen. Der Rückweg hingegen geht flott.

Mit diesem Thema ist fast jeder Welpen-Besitzer konfrontiert. Es ist ein ganz normales Verhalten, worüber man sich keine Sorgen machen muss! 

Der Welpe ist erst seit ein paar Tagen bei Ihnen, abgeholt beim Züchter, ins Auto getragen und nun auf einmal im neuen Zuhause.

Das Haus und der Garten wird schnell zu seiner
Home-Zone.

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Aber die große weite Welt da draußen ist noch unheimlich.

Straßen, Autos, Menschen, Gerüche, Geräusche, … sind alles Dinge, die Ihr Welpe noch nicht kennt und ihm ggf. noch Angst machen.

Viele Welpen sind überfordert und möchten die erste Zeit ihr sicheres zu Hause nur sehr ungern verlassen.

Das ist ein ganz normales Verhalten und braucht etwas Geduld und Zeit. Dieses Verhalten ist nicht bei jedem Welpen gleich stark ausgeprägt. Es hängt vom Individium ab und natürlich auch von der Umgebung in der Sie wohnen. Außerhalb Bzw ländlich ist es mit Sicherheit einfacher als mitten in der Großstadt.

Was können Sie tun?

Bitte Verständnis haben und nicht interpretieren, dass ihr Welpe stur ist oder sie nicht ernst nimmt. Das ist totaler Quatsch!

Bitte ziehen Sie den Welpen auch nicht an der Leine! Ihr Welpe braucht Zeit, um Sicherheit zu entwickeln und dafür ist es wichtig, dass er die Umwelt in seinem Tempo erkunden darf!

Man kann auch einfach mal „Gassi-kucken-gehen“ statt laufen zu wollen. Heißt, sie gehen mit Ihrem Welpen raus und wenn er sitzen bleibt und die Umgebung anschaut, dann ist das völlig ok! Lassen sie ihn schauen und erkunden! 

Unterschätzen sie bitte nicht diese Reize, denn auch das Beobachten und Verarbeiten ist sehr anstrengend für Ihren Welpen.

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Falls Sie vorwärts kommen müssen, tragen Sie ihn. Häufig geht es besser, wenn man etwas von zu Hause entfernt ist und dann nochmal einen Lauf-Versuch startet.

Eine gute Alternative ist es auch, wenn Sie mit dem Auto raus fahren. Reizarm auf Feld oder Wiese gefällt es Welpen oft viel besser.

Sie brauchen keine Angst zu haben, dass sich der Welpe angewöhnt getragen zu werden. Ich versichere Ihnen in ein paar Wochen sieht das Ganze anders aus und Sie müssen schauen, dass er nicht an der Leine ziehen wird. ;-) 

Ihr Welpe braucht Sie und Ihre Unterstützung um die Welt als sicher kennenzulernen, damit er sich zu einem souveränen Hund entwickeln kann.

Geben Sie ihm Zeit und haben Sie Geduld. Sie werden sehen, es wird sich lohnen!

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06
Jul

Wie man Hunde vom Jagen abhält … oder auch nicht !

Vorweg:

Jagdverhalten ist genetisch verankert und somit ganz normales Hundeverhalten!

… wenn auch von uns Menschen nicht (immer) erwünscht.

 

Die Ausprägung des Jagdverhalten unserer Familienhunden ist sehr unterschiedlich. Sowie auch der Umgang damit.

Es gibt zahlreiche Hilfsmittel und Tipps, aber was ist nun richtig?

Ich möchte heute mal aufräumen mit so einigen Mythen, die um das Thema „Jagen“ kursieren.

 

Mythos 1: Zeig Deinem Hund, wer der Chef ist

Mal davon abgesehen, dass die Rangordnungstheorie veraltet (Mehr dazu: http://www.teckel-on-tour.de/dominanztheorie.htm) und widerlegt ist… Glaubt Ihr im Ernst, dass Euer Hund das Reh nicht hetzt, weil er daheim nur auf dem Boden statt auf der Couch liegen darf?

Oder er schaut dem wegrennenden Hasen zu, weil er daheim immer erst nach Euch sein Futter bekommt?

Völliger Bullshit. Das eine hat mit dem anderen nullkommanull zu tun, denn es handelt sich hierbei um gänzlich unterschiedliche Funktionskreise.

Hinzu kommt, dass ein Hund, der zu Hause im Alltag sehr eingeschränkt wird, auch sehr viel Frustration erlebt und dies dazu führen kann, dass er draußen noch weniger kontrollierbar wird.

 

Mythos 2: Wurfspiele fördern Jagdverhalten

Wurfspiele werden verboten, weil der Hund dabei ein Objekt hetzt und er dann immer wieder hetzen möchte.

Auch das ist kontraproduktiv. Der jagdliche motivierte Hund möchte sowieso hetzen, weil es in seinem genetischen Rahmen auf hoher Stelle steht. Ob ihr nun was werft oder nicht, das Hetzen ist sowieso ein Bedürfnis.

Wenn Ihr Euren Hund niemals etwas nachrennen lasst, bleibt sein Bedürfnis dennoch und er wird jede Chance nutzen, wo ihr ihn nicht kontrollieren könnt.

Also, macht Hetzspiele, um das Hetz-Bedürfnis Eures Hundes in einem kontrollierten Rahmen ausleben zu lassen!

Achtung: Einem Hund mit einer Schaufel 134x den Ball sinnlos übers Feld zu werfen, hat nichts mit sinnvoller Beschäftigung zu tun.

Hetzspiele müssen dosiert eingesetzt werden! Optimalerweise nutzt man sie als Belohnung für positive Verstärkung, z. B. nach einem Rückruf. Man kann auch Hetzspiele sehr gut mit Suchspielen verbinden, indem man z. B. einen Dummy zuerst suchen lässt und als Belohnung dann den Dummy wirft und somit ein Hetzspiel auslöst.

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Mythos 3: Echtfell-Spielzeuge fördern die Suche nach echten Hasen

Häufig sind Bälle, Futterbeutel oder sonstige Spielzeuge für jagdliche stark motivierte Hunde wenig interessant. Sehr beliebt bei diesen Hunden sind Echtfell-Spielzeuge!

Man hört immer wieder, dass die Verwendung dieser Echtfelle dazu führe, dass der Hund dann vermehrt nach Hasen suchen geht.

Das stimmt nicht!

Der jagdliche motivierte Hund wird die Hasenspur finden, egal, ob Ihr das wollt oder nicht. Denkt daran, das ist natürliches Verhalten, das genetisch verankert ist.

Ein Echtfell-Spielzeug kann die Suche nach Hasen kanalisieren und stellt somit eine schöne Ersatz-Beschäfigung dar!

 

Mythos 4: Buddeln nach Mäusen fördert das Jagen

Hier verhält es sich wie den Wurfspielen und Echtfell-Spielzeugen.

Buddeln gehört zum Jagdverhalten und kann Jagen somit ebenfalls kanalisieren.

Ich liebe buddelnden Hunde! Man kann dem Hund eine tollen Ersatz ermöglichen und nebenbei sogar noch Aufmerksamkeits- und Rückruftraining kombinieren mit der perfekten bedürfnisbefriedigenden Belohnung „Buddeln“, denn ein Buddelloch läuft nicht weg.

Achtung: Bitte lasst Eure Hunde nicht auf Wegen buddeln (Verletzungsgefahr für andere!) und schiebt das Loch wieder zu, nachdem fertig gebuddelt ist.

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Mythos 5: Wenn ein Hund hetzen war, musst du ihn als Strafe zwei Wochen an der Leine führen

Hetzen ist hochgradig selbstbelohnend. Die Endorphine werden schon nach ein paar Metern ausgeschüttet.

Wenn der Hund danach glücklich und zufrieden zurückkommt, nützt ein Anleinen als Strafe genau Null. Hinzu kommt, dass der Hund die Strafe nicht mit dem Hetzen verknüpfen wird und im schlimmsten Falle nämlich mit dem Zurückkommen. Was natürlich ebenso wieder kontraproduktiv für die Kooperation und den Rückruf ist.

Natürlich kann es von Nöten sein, dass man den Hund anleinen muss, aber es ist Quatsch das bewusst als Strafe für Hetzen einzusetzen! Das wird nicht den gewünschten Effekt bringen!

 

Welche Mythen kennt ihr noch zum Thema Hetzen und Jagen?

Bitte hinterlasst uns einen Kommentar. Ich werde diese im nächsten Artikel beleuchten.

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