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Hundebegegnungen auf freiem Feld mit einem Ex-Leinenraudi

Freitag, Oktober 21st, 2011

Wir haben riesen Fortschritte zu verzeichnen, auch wenn wir nicht gezielt an diesen Situationen trainiert haben.

Hundebegegnungen auf dem Feld sind etwas anderes als auf der Straße. Was auf der Straße klappte, sah auf dem Feld ganz anders aus. Bisher haben wir um die Feld-Begegnungen große Bögen gemacht, da Chico sofort startete, wenn er einen Hund sichtete und dann sehr stark gefrustet war, wenn ihn die Leine aufhielt. Laufen lassen konnte bzw. wollte ich ihn nicht, da die Distanz einfach zu groß war. Die Leinenspannung war Signal zum Frusten und Toben und dies schon auf großer Entfernung.

In den letzten Wochen hat man sehr gut gesehen, wie gut er sich von selbst abwenden kann, wenn auf dem Feldweg gegenüber Hunde laufen. Entweder er schaut mich erwartungsvoll an oder er geht einfach weiter. Das Abwenden von den Hunden habe ich natürlich auch immer markiert. Dies führte nun dazu, dass Chico nicht mehr sofort losstartet, wenn er einen Hund sieht, sondern erstmal stehen bleibt bzw. immer häufiger einfach weiterläuft.

Schwieriger wird es, wenn der Hund gegenüber auf uns zu kommt bzw. Interesse an uns zeigt. Aber auch hier haben wir große Erfolge, denn Chico ist ansprechbar und kann sich abwenden, obwohl die Leine ggf. auf Spannung ist. Chico kann trotz sehr großer Ablenkung Alternativverhalten ausüben.

Das macht es uns nun möglich, dass wir auf dem Feld auf andere Hunde zulaufen können und ich in einem akzeptablen Abstand von 10-20 m ein Alternativverhalten, meist ein Handtouch, abfrage. Er wendet sich in diesem Moment vom Hund ab und darf als Belohnung zum Hund hinlaufen.

Wir haben diese Situationen mangels geeigneten Trainingspartnern (nicht viele Hunde können es gut ertragen, wenn ein Labbi-Überfall-Kommando auf sie zukommt) nur ganz selten geübt und das ist auch schon mehr als 6 Monate her.

Durch das positive Alltags-Training konnte ich Chico’s Frust- und Stresstoleranz weiter ausbauen und spüre nun an vielen anderen Ecken die positiven Auswirkungen.

Ich freue mich jeden Tag, dass ich von diesem tollen Hund lernen darf!

Und es geht weiter hoch hinaus…

Sonntag, Oktober 9th, 2011

Im Artikel “Auf dem Weg zum Gipfel…” habe ich bereits von unseren Trainingserfolgen geschrieben und freue mich heute, dass es noch weiter hoch hinaus geht.

Wir sind zurück von einer Woche Urlaub und diese Woche war noch entspannter als die im April. Vor 6 Monaten habe ich gedacht, wenn es noch besser wird, dann ist es ein Wunder und tatsächlich wir sind noch weiter nach oben geklettert. Chico’s Frust- und Stresstoleranz wird immer höher und er ist ansprechbar in Situationen, die ich uns vor ein paar Monaten niemals zugemutet hätte.

So haben wir es gewagt und im Urlaub einen Wildpark besucht. Die Option “Jederzeit abbrechen und draussen warten” natürlich im Hinterkopf.

Die ersten paar Meter war Chico aufgeregt, konnte aber dank Unterstützung mit dem Entspannungssignal schnell runterfahren. Er schnüffelte viel, konnte dies aber an lockerer Leine und war immer ansprechbar.

Der Park war sehr weitläufig und ich konnte alles im Überblick behalten, sodass wir immer ausweichen hätten können. Dies brauchten wir aber gar nicht. Es lief einfach fantastisch.

Als wir an einem kleinen Hügel ankamen, haben wir zur Sicherheit unseren “Beschützer” voraus geschickt, um zu checken, was uns wohl hinter der Kurve erwartet. Als er rief “Oh, Wölfe…”, hatte ich zwar kurz gestockt, mich aber entschieden es zu probieren.

Um die Kurve rumgekommen, sah ich, dass ich überhaupt keinen Platz habe Distanz zu bekommen, da der Weg nur ca. 3 m breit war. Langsam hatten wir uns angenähert mit der Option umzudrehen. Aber…

Chico war cool, richtig cool!

Wir konnten “Zeigen und Benennen” spielen und Chico ist nicht in sein altes Verhaltensmuster gefallen! Wo er früher noch wegen jeder Kleinigkeit in der Leine hing und tobte, konnte er nun ganz ruhig bleiben und das im Abstand von nur ein paar Metern zu den Wölfen.

WOW.

Nach einer ca. 15 minütigen Entspannungsphase sind wir noch einmal am Wolfsgehege vorbei gelaufen. Auch hier haben wir wieder “Zeigen und Benennen” gespielt. Als 2 Wölfe dann kurz gerannt sind, wollte auch Chico mitmachen…aber auch hier war er ansprechbar. Dank dem positiv aufgebauten Umorientierungssignal war er sofort wieder bei mir.

Training ist einfach toll !

Happy Birthday lieber Chico!

Dienstag, September 6th, 2011

Training mit einem Ex-Leinenraudi

Sonntag, Juni 19th, 2011

Chico’s Leinengepöbel hat eine sehr lange Geschichte.

Im Alter von knapp 6 Monaten fing es an, dass er bei Hundebegegnungen in große Aufregung geriet. Durch Training über positive Strafen wie körperliche Bedrängung, Disc-Scheiben, Wurfketten, etc. wurde es immer heftiger.

Zum Leid aller Beteiligten kannte ich sehr lange keine Alternative und verließ mich auf die damaligen Trainer. Dies führte dazu, dass aus einem aufgeregten Junghund ein erwachsener Chico wurde, der regelrecht explodierte an der Leine.

Bemerkung: ohne Leine war Chico aufgeregt und unsicher, zeigte aber keinerlei Aggressionen gegenüber anderen Hunden.

Ausserdem entwickelte es sich, dass er nach Hundebegegnungen immer wieder mit voller Wucht gegen mich sprang und meinen Oberschenkel umklammerte. Er bellte sehr lange “nach” und benötigte mehrere Minuten, um sich zu beruhigen.

Chico war als Welpe bzw. Junghund lediglich frustriert, dass er nicht zu den Hunden hin durfte. Der zwangsläufige Entzug von Hunde-Kontakten und der Einsatz von Strafe verschlimmerte sein Verhalten, denn Frust, Stress und Erregung begünstigt Aggressionsverhalten!

Lieber spät als nie! Wir ließen diesen Leidensweg hinter uns und ich fand ihn: Den Weg für das erfolgreiche Training ohne positive Strafe, Druck und Gewalt!

Gegenkonditionierung über Futter brachte erste Erfolge, aber der Durchbruch gelang mir mit “Zeigen und Benennen”: Den Hund aufmerksam machen auf den Reiz, hinschauen lassen, markieren, umorientieren und Alternativverhalten aufbauen.

Werkzeuge wie das Marker- und Entspannungssignal, Handtouches, positiv aufgebaute Alternativverhalten, “Zeigen und Benennen” und die passenden Verstärker, sind unsere ständigen Begleiter.

Chico ist sehr futterorientiert, aber in Hundebegegnungen ist das Futter kein funktionaler Verstärker. Das Futter verbessert die Stimmung, wird als emotionales I-Tüpfelchen eingesetzt, aber sein Bedürfnis -dem Hund “Hallo” sagen dürfen- wird damit nicht befriedigt.

Sofern umsetzbar, darf er als Belohnung für ruhiges Verhalten zu dem Hund gehen. Wir üben diese Kontakte im Freilauf und auch bewusst an der Leine. Ich nutze im Alltag auch häufig das “Nach-Schnüffeln” (s. Video).

Durch gezieltes Einsetzen der funktionalen Verstärker konnte ich Chico’s Frustrationsgrenze sehr stark ausbauen. Wo er früher schon auf großer Distanz in der Leine hing und tobte, kann er heute ruhig bleiben, Alternativverhalten ausführen und somit häufig auch “Hallo sagen” gehen.

Ich habe es heute zum ersten Mal gewagt, während Hundebegegnungen zu filmen. Dies wäre in der Vergangenheit nicht möglich gewesen, denn ich konnte mir keine Unaufmerksamkeit leisten und musste blitzschnell sein.

Beim “Zeigen und Benennen” warte ich inzwischen immer öfter ab und markier nicht sofort. Er kann sich sehr oft alleine abwenden.

Das erste Video zeigt eine Hundebegegnung während wir auf unseren Trainingspartner “Alf” gewartet haben:

Das zweite Video zeigt eine weitere Begegnung. Hier durfte Chico als Belohnung für ruhiges Verhalten zu dem Hund hingehen:

Chico’s Hetz-Leidenschaft: Training mit positiver Verstärkung

Montag, Juni 13th, 2011

Chico’s große Leidenschaft ist das Hetzen. Sobald sich etwas von ihm weg bewegte, startete er sofort durch.

Eine weitere große Trainingsherausforderung neben den Hundebegegnungen, denn auch hier fiel er in das gleiche Verhaltensmuster: Sobald sich die Leine straffte, hüpfte er auf und ab und bellte. Er war nur sehr schwer bis gar nicht zu unterbrechen.

Seit ca. 9 Monaten arbeiten wir mit “Zeigen und Benennen” an allen möglichen Objekten, seit dem Frühjahr 2011 auch an Hasen und Kaninchen. Ausserdem habe ich ihn genau beobachtet, um bedürfnisbefriedigend belohnen zu können. Chico ist sehr futterorientiert und hatte nach dem Markersignal in der Vergangenheit nur Futter erwartet. Bot ich z. B. ein Spielzeug an, verstand er die Welt nicht mehr.

Das Belohnen mit Futter zeigte natürlich klare Grenzen, denn war Chico in “Hetz-Stimmung” hat ihn mein Futter überhaupt nicht interessiert und er hat sich nicht abrufen lassen. Die Futterbelohnung stellte in dieser Situation kein Verstärker dar.

Die Belohnungsliste half mir dabei herauszufinden, was seine Vorlieben sind und daraus ergaben sich ganz verschiedene Belohnungen, die ich als Verstärker einsetzen kann.

“Ein positiver Verstärker verstärkt das Verhalten,
sonst ist es eben kein positiver Verstärker.”

(Viviane Theby in “Verstärker vertstehen”)

Haben wir nun einen Hasen oder ein Kaninchen gesehen, habe ich diesen benannt und markiert. Als Belohnung gab es ein Ersatz-Hetzspiel mit dem Felldummy, einem Spielzeug oder ein Rennspiel mit mir.

Parallel habe ich ein neues Rückrufsignal mit Pfeife aufgebaut und dieses bedürfnisnah belohnt. Den Rückruf trainieren wir täglich in allen möglichen Situationen.

Es passiert nun immer seltener, dass Chico durchstartet und frustet. Er kann sich nach dem Markersignal abwenden und ein Alternativverhalten ausführen.

Passiert es doch mal, dass er startet, dann ist er sicher abrufbar! Was es nun auch ermöglicht, dass er immer häufiger ohne Leine laufen darf.

In den letzten Wochen bin ich nun dazu übergegangen nicht mehr sofort zu markieren, sondern abzuwarten, was Chico von sich aus anbieten kann. Er schafft es immer wieder sich selbständig umzuorientieren.

Die Tage entstand das folgende Video:

Die erste Begegnung mit einem Kaninchen war sehr nah, er konnte ruhig schauen. Hätte ich dies markiert, hätte er sich abgewendet, aber ich wartete bewusst ab. Als das Kaninchen weg hoppelte, ging er zwar kurz nach vorne, aber das Entscheidende für mich ist, dass er nicht in das “alte” Frustverhalten fiel, sondern sich umorientiert. Belohnt wurde dies mit einem geworfenen Leckerchen. Sehr schön ist, dass er danach sein Spielzeug, das er bei Sichtung des Kaninchens fallen ließ, wieder aufnehmen konnte.

Die zweite Situation ist sensationell !

Das Training mit positiver Verstärkung ist einfach genial !