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Mrz

Es hat einen Grund, warum genau dieser Hund bei dir lebt…

Die Chico rockt GANG…

3 Trainer, 1 Praktikantin, 8 Hunde = 12 Individuen

Jede Einzelne von uns hatte mal den Wunsch den absolut perfekt erzogenen Hund zu haben.

Ja, wir hatten diesen Wunsch. Die Betonung liegt auf HATTEN, denn wir haben inzwischen alle eingesehen, dass es diesen Hund gar nicht gibt und vorallem wir diesen doch gar nicht wollen!

Wenn wir alle einen Hund hätten, bei dem alles easy wäre, wären wir nämlich nicht da wo wir heute sind.

Von wem lernen wir denn? Richtig: von unseren eigenen Hunden! Wenn diese uns nicht immer wieder vor neue Herausforderungen stellen würden, würde wir uns nicht permanent weiterentwickeln und hätten wahrscheinlich auch nicht so ein großes Verständnis für unsere Kunden.

Heute morgen 8 Uhr erreichte mich folgende Nachricht von Sandra:

Morgen…. Premiere!! Keks ist ab…. Hase hinterher.

Ich habe da gerade meine Haare geföhnt, gelächelt und ein hüpfenden Snoopy Smiley zurückgeschickt.

DAS fand Sandra dann nicht so witzig und antwortete:

Meinen Frühsport habe ich nun. Er ging sehr weit. Und meine Lunge ist auch frei. bin ihm dann entgegen gerannt mit Anker…. Iwa kam er dann entgegen.. Freudig als ob nichts gewesen wäre…. Bin echt deprimiert. Dachte mein Rückruf sitzt.

So, warum habe ich mich gefreut? Nein, ich habe mich nicht gefreut, dass Keks einen Hasen gehetzt hat (bitte nicht den Tierschutz gleich anrufen!). Ich habe mich gefreut, dass eine NEUE „Baustelle“ aufgeht an der Sandra lernen und sich weiter entwickeln kann.

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Liebe Kunden, keine Angst, ich freue mich nicht, wenn das bei euch passiert! Im speziellen Falle von Sandra freue ich mich, weil sie nun in ihrem privaten Alltag ganz viel lernen darf von ihrem Keks, was sie an Euch weitergeben wird.

Sandra hat bereits von ihrem ersten Hund „Fips“ sehr viel gelernt, aber das waren ganz andere Themen. Da ging es um Unsicherheit, Angst, hohes Erregungsniveau und Aggressionen gegen andere Hunde.

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Keks ist im Gegensatz zu Fips ein sehr souveräner und gelassener Hund. Läuft super an der Leine, mag andere Hunde, spielt sehr schön, lässt sich aus dem Spiel abrufen, kommt mit den beiden Hauskatzen super klar, kann alleine bleiben, liegt stundenlang im Restaurant unterm Tisch, auch wenn Hunde anwesend sind, geht Streit aus dem Weg, arbeitet gerne, beherrscht ganz viele Vokabeln und jagte bisher nicht.

Er hat nur zwei kleine Baustellen, an denen sie arbeitet:

  • Forderndes Bellen (vom ersten Tag an)
  • Kacke fressen

Beides sind Dinge, die zwar nerven können, aber kein Drama für Sandra sind.

Ich gebe zu, ich habe schon die ganze Zeit darauf gewartet, wann denn endlich was Neues kommt. Keks ist nun 8 Monate, da muss langsam mal was kommen… Und nun ist es da… da er weit und lange weg war und auch den Hasen noch lange nachgesucht hat, sprechen wir hier nicht nur von „ich renn mal kurz hinterher“ …

Ich muss sagen, ich habe ihn nicht so eingeschätzt, ich dachte, er ist so ein Flitzer wie Chico, der zwar startet, aber wieder abdreht.

Naja, neue Baustelle, NEUE Herausforderung. Sandra: rockt it!!!

Anke war von Anfang an bei mir im Training. Ihr Labbi „Cooper“ – inzwischen 4 Jahre – war schon immer ein toller, lieber Hund. Ein typischer Labrador, wie man sie kennt.

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Er hatte folgende Baustellen:

  • Massive Trennungsangst
  • In der Pupertät ein mega hohes Erregungsniveau und zerrte an der Leine wie ein Ochse. Er rannte innerhalb einer Minute mehrmals mit Vollgas in die Leine. Ich kann mich noch gut erinnern, wie Anke teilweise durch den Wald „geflogen“ ist.
  • Menschen anspringen bis ins Gesicht, alle 4 Beine in der Luft.
  • Auto fahren (seit die Heckscheibe gesprungen und auf ihn im Kofferraum geflogen ist)

1-3 ist erledigt. An 4 arbeitet Anke noch immer und Cooper fährt seitdem auf dem Rücksitz mit.

Anke’s Faible war schon immer die Nasenarbeit und das jagdliche Training. Sie wollte mit einem zweiten Hund einen jagdlich motivierten. So zog Dackel-Bracke-Mix „Elly“ bei ihr ein. Elly war im ersten Leben bei einem Jäger und wurde dort auch jagdlich geführt. Sprich, sie weiß, wie man tötet.

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Als Anke sie übernahm, freute sich Anke auf die Arbeit mit ihr am Jagdverhalten. Das Huhn vom Nachbar lebte nur noch kurz nach Einzug von Elly und das erste Training war die Hauskatze. Elly meinte es verdammt ernst mit der Katze. Als ich das erste Video sah, wusste ich nicht, ob wir das hinkriegen. Die Bedingung war, dass Nala sich auch weiterhin wohlfühlt zu Hause.

Heute sieht das super aus:

So, aber das war es dann erstmal mit jagdlichen Thema. Elly war draussen schon immer sehr gut abrufbar. Klar stöbert sie gerne, aber sie kommt, wenn sie gerufen wird.

Somit kam es anders als erwartet und gewünscht… Elly zeigte nämlich fremden Hunden gegenüber sehr laut und deutlich, dass sie sie gar nicht cool findet. Also war eine neue “Baustelle” für Anke offen… die Leinenaggression und Hundebegegnungen im Allgemeinen.

Anke hat daran sehr gut gearbeitet und Elly fällt nur noch ganz selten ins Aggressions-Verhalten.

Bezüglich dem jagdlichen gehen die Beiden nun aber trotzdem ihren Weg, denn Anke macht nun Ihren Jagdschein und Elly wird sie auf der Jagd begleiten.

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Samantha, adoptierte ihren „Rocky“ aus dem Tierheim. Ein großer, schwarzer Bär, den ich kennenlernte als völlig gechillten Hund. Er lag beim Seminar mit Ines im Jahr 2015 auf dem Rücken bei Sam und lies sich kraulen mittem im Trubel.

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Seine “Baustellen”:

  1. Tendenz zur Leinenaggression
  2. massives Stöbern
  3. Stress beim Auto fahren

Die Leinenaggression war sehr schnell behoben. Das Stöbern ist inzwischen unter guter Kontrolle, dazu hat Sam sehr, sehr viel gearbeitet. Rocky war zu seinen Bestzeiten 30-40 Minuten im Wald verschwunden.

Der Stress beim Auto fahren muss noch verbessert werden.

So, und bei mir…

Über meine Hunde habe ich ja schon sehr viel berichtet in früheren Blogs, daher werde ich dies nur kurz anreissen.

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Chico, der Labbi, der perfekt sein sollte, entwickelte sich zum gestressten, hyperaktiven Labbi mit Leinenaggression. Für mich ist diese inzwischen besiegt. Neue “Baustelle” seit seiner beiden Magen-OPs: er klaut ALLES Essbare. Auch im Klauen von Leckerliebeuteln bei meinen Kunden ist er ein inzwischen ein Profi.

Pepper, die ich auswählte, um mich am Jagdverhalten weiterzubilden, entpuppte sich als Ressourcen-Sau. Sie verteidigt alles, was sie „weg-findet“ (klaut) oder was auf den Boden fällt. Auch manchmal ihren Platz, auf dem Sie gerade liegt. Und ja, sie hat schon verletzt. In einer dummen Situation, wo sie sich von Skully bedroht gefühlt hatte und Sascha sie aus Versehen berührte von hinten, ist sie rumgefahren, hat ihn erwischt und der Eckzahn hat eine Wunde hinterlassen. Das Ressourcen-Thema ist eine sehr große Herausforderung.

Stöbern würde Pepper auch, aber das haben wir super gut im Griff. Sie ist super abrufbar und wirklich weg war sie noch nie.

Skully, unser Bollerkopf.

Keinerlei “Baustellen”, ausser zwei nervigen Dingen:

  • Sie jammert und schreit, wenn es ihr zu langsam geht. Hört sich an wie ein Kanarienvogel.
  • Sie spielt mit dem Wasser am Neckar und schreit so laut dabei, was durch das Flussbett sehr stark schallt, dass die Menschen die auf der anderen Seite in Ilvesheim wohnen auf den Balkon raus kamen und die Polizei rufen wollten, weil sie dachten ein Kind wird getötet.

3 Menschen, 3 unterschiedliche Charaktere, Befindlichkeiten, Wünsche und Vorstellungen…

Ich bin mir sicher, jede von uns hat den perfekten Hund für sich. Es hat einen Grund, warum genau dieser Hund bei uns ist und auch genau diese Verhaltensweisen und “Baustellen” mitbringt.

Mein Chico hat mich sehr früh auf den Boden der Tatsachen geholt und mir gelehrt, dass ich nicht meinen perfekt erzogenen Hund dazu BEnutze, um Anerkennung von außen zu bekommen…

Für mich war eine sehr große Herausforderung zu meinem Chico und zu seinen “Baustellen” zu stehen. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich lernte mein Ego auszuschalten und es mir nicht mehr peinlich war, dass Chico Hunde anbellte.

Ich habe gelernt, mich nicht persönlich angreifen und verunsichern zu lassen von Außenstehenden, wenn Pepper knurrt und ich mal wieder belehrt werde, dass man das nicht durchgehen lassen sollte…

Sie haben mir beigebracht, mein Ding zu machen, meinen Weg zu gehen und zu Ihnen und vorallem ZU MIR zu stehen!

„Jeder bekommt den Hund,
an dem er wachsen kann!“

In diesem Sinne: seid glücklich darüber genau diesen speziellen Hund an Eurer Seite zu haben und seht die “Baustellen” nicht als Probleme, sondern aus Herausforderung und irgendwann werdet ihr wissen, warum genau dieses Individium bei euch gelandet ist.

PS: Einen guten Hundetrainer erkennt man nicht an einem “perfekt erzogenen Hund”, sondern am Umgang mit seinem und anderen Hunden!

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