13
Jul

Ablenken, umlenken, trainieren…

… oder alles zusammen?

Als ich am letzten Sonntag beim Workshop „Ex-Leinenrambo“ eine Übung vorgeführt habe und danach die Teilnehmer befragte, was ich denn da jetzt gemacht habe, kam die Antwort „Du hast den Hund abgelenkt“…

Inzwischen reagiere ich schon fast allergisch auf diese Aussage :-)

Mit Sicherheit gibt es in der positivem Hundetraining Situationen in denen man nur ablenkt. Es gibt mit Sicherheit auch Trainer, die ein reines Ablenken bewusst anleiten und da gebe ich allen Kritikern Recht: Nur mit Ablenken wird es nicht besser!

Ablenken bedeutet, ich lenke die Aufmerksamkeit auf etwas anderes.
Synonyme:

  • von etwas abbringen
  • unterbrechen
  • auf andere Gedanken bringen
  • etc.

Grundsätzlich ist das kein Fehler.

Wenn ein Hund gerade kurz davor ist einen anderen Hund anzupöpeln ist es mit Sicherheit besser ich bringe ihn auf andere Gedanken als ihn einfach machen zu lassen.

ABER es gibt einen Unterschied!

  1. Ich sehe den Hund bevor mein Hund diesen wahrnimmt und lenke die Aufmerksamkeit meines Hundes auf ein Leckerchen, ohne, dass er den anderen gesehen hat und hoffe, er tut das auch nicht. Dann habe ich in der Situation ein pöbeln verhindert.
    .
  2. Ich lenke den Hund ab, kurz nachdem er den Artgenossen entdeckt

1

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2

Wo ist der Unterschied ?

  1. Mein Hund nimmt den Auslöser nicht wahr und kann somit auch keine neue Verknüpfung herstellen.
    .
  2. Mein Hund nimmt den Auslöser wahr und kann mit der Ablenkung (die ihn optimalerweise in ein Alternativverhalten führt) ein neues erwünschtes Verhalten verknüpfen.

Wenn ich meinen Hund immer nur ablenke bevor er einen Reiz wahrnimmt ist das ein reines Management, was in vielen Alltags-Situationen garantiert auch sinnvoll ist !

Beispiel: Wenn ich weiß, dass der Abstand auf dem Weg zu eng ist und ich keine Chance habe auszuweichen, dann versuche ich lieber meine Hund abzulenken, um unerwünschtes Verhalten zu verhindern statt ihn reinfallen zu lassen.

Warum lernt der Hund langfristig nichts dabei?

 Weil er den Reiz nicht mit dem erwünschten Verhalten verknüpfen kann.

Überlegen Sie sich folgende Situation:

Sie haben panische Angst vor Spinnen. Sie besuchen einen Bekanten zu Hause, der eine Vogelspinne besitzt. Da dieser von ihrer Panik weiß, lenkt er Sie sofort mit einem intensiven Gespräch ab und lockt sie direkt mit einem lecker duftenden Kuchen am Terrarium vorbei zur Terrasse, sodass Sie gar keine Chance haben die Spinnen zu entdecken.

Vorteil: Ihre Panik wurde nicht ausgelöst!

Als Sie die Wohnung verlassen wollen, sehen Sie die Vogelspinne, fallen aus allen Wolken und Ihre Panik ist sofort da! Vielleicht sind auch noch sauer auf Ihren Bekannten für diese Aktion?

Was haben Sie bei dem Ablenkungsmanöver gelernt?
Nichts, es war ein reines Management.

Was könnte man besser machen?

Ihr Freund könnte Sie darauf hinweisen, dass er eine Vogelspinne besitzt und Sie darauf vorbereiten. Er könnte genauso wie oben vorgehen, d.h. Sie in ein Gespräch verwickeln und locken mit einem tollen Kuchen, nur diesmal mit dem Unterschied, dass Sie den Reiz (hier die Spinne) mit der „Nettigkeit“ bzw. Belohnung verknüpfen.

Je nachdem wie groß Ihre Angst ist, würde ein Kuchen nicht reichen, aber das muss man individuell anpassen. Also mich persönlich könnte niemand mit einem Kuchen in diesen Haushalt locken, aber gegenfalls mit einem neuen Paar Schuhe :-)

Bedürfnisse sind nun mal sehr verschieden…

So individuell müssen übrigens auch die Belohnungen für Ihren Hund angepasst werden!

Also lenken wir nun unsere Hunde einfach nur ab, wenn wir positiv trainieren oder macht das Ganze sogar einen Sinn?

Wir wenden beides an!

  1. Reines Ablenken als Management, um unerwünschtes Verhalten zu verhindern.

UND 

2. Ein Umlenken in ein Alternativverhalten, wobei der Hund ein neues Verhalten mit dem Reiz verknüpft und lernt.

Ich denke, dass Viele reines Mangement betreiben und auf dieser Stufe hängen bleiben, womit dann gerechtfertigt wird, dass das positive Training nicht funktioniert. JA, das ist auch so…

Es ist enorm wichtig, dass man die Verknüpfung von Auslöser und erwünschtem Verhalten herstellt, dann klappt es auch mit dem positiven Training.

Wie das geht?

Fragen Sie einen Trainer, der sich damit auskennt: TSD Trainer – Suche

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