Hirn wegen Umbau geschlossen

Von Anfang an alles richtig machen ist der Wunsch der Welpen-Eltern. Viele besuchen eine Welpen-Schule oder beauftragen einen privaten Trainer.

Sie üben und trainieren fleißig. Der Welpe achtet sehr auf sie, weicht kaum von der Seite und entwickelt sich ganz toll.

Zum Glück fallen dann nacheinander die spitzen Zähnchen aus und das „Beisseln“ tut weniger weh.

Sie freuen sich von Anfang an vieles richtig gemacht zu haben.

Bis zu dem Punkt, wo sich alles ändert: „Hirn wegen Umbau geschlossen“.

Bei dem einen früher, bei dem anderen später. Meistens beginnt es kurz nach dem Zahnwechsel.

Auf einmal geht (fast) nichts mehr.

Der Junghund entfernt sich immer weiter, der Radius wird größer. Er erkundet die Umwelt wie nie zuvor. An Rückruf ist überhaupt nicht zu denken. Ohren sind auf Durchzug.

Die Leinenführigkeit lässt stark zu wünschen übrig. Der Hund zieht, hat es eilig. Eine Schnüffelstelle nach der anderen wird genaustens inspiziert. Es wird markiert und bei Rüden auch Urinstellen abgeschleckt.

Der Hund ist kaum ansprechbar, die Menschen versuchen immer wieder an ihn ranzukommen, aber es scheint als habe er seine Ohren verkauft. Er ist insgesamt stressanfälliger und kann sich nur schwer konzentrieren. Er hat alles andere im Kopf, nur nicht seine Menschen.

Signale, die bisher super funktioniert haben, sind wie vergessen.

Reize, die bisher nie ein Problem waren, werden nun als bedrohlich eingestuft, unterwegs knurrt er auf einmal harmlose Dinge an.

Ihr Hund spielt auf einmal nicht mehr mit jedem Hund, sondern wählt seine Freunde genauer aus. Fremden Hunden gegenüber ist er teilweise abweisend und es kommt zu Konflikten.

Die Menschen sind frustriert: Das ganze Training der letzten Monaten komplett umsonst, denken sie.

Sie fragen sich, was sie falsch gemacht haben, durchforsten das Internet nach Antworten. Holen sich eine zweite Meinung eines anderen Trainers ein.

Es kommen Antworten wie:

  • Ihr Hund testet Sie nun. Das dürfen Sie ihm jetzt nicht durchgehen lassen.
  • Er ist nun im Rüpelalter, jetzt müssen Sie aufpassen.
  • Der tanzt Ihnen auf der Nase rum, lassen Sie sich das nicht gefallen.
  • Jetzt wird er dominant, zeigen Sie ihm, dass Sie der Chef sind.
Ein Teufelskreis beginnt.

Jetzt in dieser wichtigen, hoch sensiblen Phase greifen viele Menschen doch zu Strafe. Jetzt wo es so wichtig ist, dem Hund zu helfen und nicht gegen ihn zu arbeiten. Jetzt wo er sehr viel Verständnis braucht für seine Entwicklung, jetzt wird sein Mensch doof zu ihm. Er wird Ihr „Durchsetzen“ nicht mit seinem Verhalten in Verbindung bringen. Wie auch…

Sein Gehirn ist gerade wegen Umbau geschlossen. So wie er gewisse Dinge nicht abrufen kann, die sie mit ihm trainiert haben, genauso wenig kann er verstehen, warum sie nun verärgert sind und er bestraft wird.

Vielmehr ist er überfordert und mit Reizen überflutet. Er kann sich ganz oft gar nicht anders verhalten!

Er versteht nun gar nichts mehr. Seine Bezugsperson, die er nun wirklich braucht, ist nicht für ihn da.

Bleibt dran: fair & verständnisvoll!

Das Training über Belohnung ist auch weiterhin effektiv und mit dem, was sie bisher aufgebaut haben, haben sie eine super Basis geschaffen. Diese ist nicht weg!

Das Erlernte ist nur momentan nicht abrufbar. Wenn der Hund nicht aufnahmefähig ist, brecht das Training ab. Es kommt eh nicht an!

Kein Hund tut etwas um ums zu ärgern!

In dieser hochsensiblen Phase ist es wichtig zu verstehen, was gerade in dem Hunde-Gerhin vorgeht. Nur, wenn sie wissen, warum Ihr Hund gerade so drauf ist und Ihre Nevern strapaziert, nur dann können sie gemeinsam und vertrauensvoll diese schwierige Zeit meistern!

Wer wissen möchten, was genau im Gehirn passiert, sollte sich diesen Artikel zu Herzen nehmen: Adoleszenz – Der faszinierende Weg der Jugendentwicklung

Durchhalten!

Ihr bekommt dafür eine ganz tolle Beziehung zu eurem Hund. Ein Hund, der vertraut, eng mit seinen Menschen verbunden sein wird und nach der schwierigen Phase wieder ganz bei Euch sein wird!

Also: Augen zu und durch!

Wir sind immer für Euch da!… mit Training, Tipps und gerne auch einfach nur als „Seelsorger“, wenn mal wieder gar nichts geht!